Freitag, 23. Mai 2008
Klopp will die "Vollgasveranstaltung"
kontrastmittel, 21:28h
Die Saison ist vorbei, und mit ihr die Zeit des Thomas Doll in seiner Funktion als Trainer von Borussia Dortmund. Der richtige Zeitpunkt für Resümees, Gedankenspiele und Beobachtungen. Zunächst einmal nötigt es Respekt ab, wie schnell, sachlich und zielorientiert die sonst oft unglückliche BVB-Führungsetage einen Trainerwechsel vollzogen hat, den man guten Gewissens als "sauberen Schnitt" betiteln kann. Auch dank des Umstandes, dass die Borussia in den letzten Saisonspielen um die "Goldene Ananas" spielte, konnte man beruhigt das Ende der Spielzeit 2007/2008 abwarten, um dann - während ganz Fußball-Europa die zwei Buchstaben E und M auf den Lippen hat und der Vereinsfußball ruht - sich gezielt auf die Suche nach einem neuen Coach zu machen, der über die Sommerpause hinweg ein reiches Zeitkontingent zur Verfügung hat, ein schlüssiges Konzept zu entwickeln und seinen Kader während der gesamten Dauer der Vorbereitung kennen lernen darf.
Die Art, wie Jürgen Klopp seine erste Dortmunder Pressekonferenz bestritt, erinnerte fatal an seinen Vorgänger Thomas Doll, der auch einmal jung, dynamisch und erfolgshungrig auftrat und eine Aufbruchstimmung zu entfachen versuchte. Schnell nutzten sich seine Phrasen ab, statt einem anerkennenden Raunen ging immer häufiger ein abschätziges Augenrollen durch die Minen der Pressevertreter, die sich ebenso wie Dolls Spieler an die Floskeln gewöhnt hatten, welche vom Hamburger nie mit Inhalt gefüllt werden konnten. Statt leuchtende Augen sah der geneigte Beobachter zunehmend ein rat- und ausdrucksloses Gesicht beim Trainer der Schwarz-Gelben. Auch Klopp ist ein Kumpeltyp und vom Charakter her auf dem ersten Blick gar nicht so unterschiedlich. Aber: Sein Atem ist länger, seine unverbrauchte Art nutzt sich nicht so schnell ab, weil er ehrgeiziger, durchsetzungsfähiger und vor allem intelligenter ist als Doll, was ihm ermöglicht, seinen Stil auf authentische Art und Weise zu variieren. Während der softe Dolly sich in guten Zeiten anbiedert und in schlechten Phasen unglaubwürdig wird, wenn er mal wieder viel sagend ankündigt, den Hammer kreisen lassen zu wollen, kauft man dem energisch auftretenden Klopp, der auch mal ehrliche Emotionen zeigt, hartes Durchgreifen ab. Er braucht keine so offensichtlich aus Kalkül gehaltene Wutrede wie Doll, um sich Respekt zu verschaffen. Den hat er sich mit seinem kontinuierlichen Erfolg in Mainz verdient, ein Erfolg, der Thomas Doll nur einen Sommer lang beschieden war. Klopp kommt als personifizierte Erfolgsstory ohne Haken zum BVB, Doll war schon vor seiner Ankunft durch die endlose Talfahrt mit dem HSV stigmatisiert. Der Mainzer dagegen weiß sich zu vermarkten - man sollte die ZDF-Auftritte, die das Bild von einem taktisch versierten Motivator entscheidend prägten, nicht unterschätzen - und tritt schon bei seiner ersten Pressekonferenz weitaus eloquenter auf als Doll - und das nicht nur wegen der kreativen Neologismen ("Vollgasveranstaltung").
War Rehhagel Vertreter der "kontrollierten Offensive", so ist Klopp Repräsentant einer "kalkulierten Glaubwürdigkeit" - alles wirkt schrecklich spontan, ist aber wohl durchdacht. Und trotzdem muss der Mainzer erst noch den Beweis antreten, dass er aus einem mittelmäßigen, für Platz 5 eindeutig zu dünn besetzen Team, eine begeisternde Mannschaft machen kann, die wenigstens um einen Rang in der oberen Tabellenhälfte nicht fürchten muss. Dortmunds schwieriges Umfeld, das nach zwei Siegen in Folge regelmäßig von der Champions-League-Qualifikation spricht, wird dabei kein guter Helfer sein - Klopp hätte es auch einfacher haben können, in Leverkusen hätten sie ihn sicher auch mit Kusshand aufgenommen; mit dem Unterschied, dass dort der Kader für den internationalen Wettbewerb bereits zusammengestellt ist. Es ehrt "Kloppo", sich für den Verein mit größerer Tradition und höherer Fandichte entschieden haben - in Leverkusen würden auch bei entsprechendem Stadion keine 80 000 Zuschauer gegen Jena nach einer durchwachsenden Saison kommen. Für Klopps Karriere könnte diese eventuell zu große Herausforderung aber einen Knick bedeuten - denn der Trainer war eines, aber nicht das einzige Problem in der abgelaufenen Spielzeit. Auf dieser Position musste allerdings etwas passieren: Wenn eine Saison mit einer 1:3-Heimniederlage gegen Duisburg beginnt und mit einer 2:4-Heimniederlage gegen Wolfsburg endet, kann keine Entwicklung stattgefunden haben.
Die Art, wie Jürgen Klopp seine erste Dortmunder Pressekonferenz bestritt, erinnerte fatal an seinen Vorgänger Thomas Doll, der auch einmal jung, dynamisch und erfolgshungrig auftrat und eine Aufbruchstimmung zu entfachen versuchte. Schnell nutzten sich seine Phrasen ab, statt einem anerkennenden Raunen ging immer häufiger ein abschätziges Augenrollen durch die Minen der Pressevertreter, die sich ebenso wie Dolls Spieler an die Floskeln gewöhnt hatten, welche vom Hamburger nie mit Inhalt gefüllt werden konnten. Statt leuchtende Augen sah der geneigte Beobachter zunehmend ein rat- und ausdrucksloses Gesicht beim Trainer der Schwarz-Gelben. Auch Klopp ist ein Kumpeltyp und vom Charakter her auf dem ersten Blick gar nicht so unterschiedlich. Aber: Sein Atem ist länger, seine unverbrauchte Art nutzt sich nicht so schnell ab, weil er ehrgeiziger, durchsetzungsfähiger und vor allem intelligenter ist als Doll, was ihm ermöglicht, seinen Stil auf authentische Art und Weise zu variieren. Während der softe Dolly sich in guten Zeiten anbiedert und in schlechten Phasen unglaubwürdig wird, wenn er mal wieder viel sagend ankündigt, den Hammer kreisen lassen zu wollen, kauft man dem energisch auftretenden Klopp, der auch mal ehrliche Emotionen zeigt, hartes Durchgreifen ab. Er braucht keine so offensichtlich aus Kalkül gehaltene Wutrede wie Doll, um sich Respekt zu verschaffen. Den hat er sich mit seinem kontinuierlichen Erfolg in Mainz verdient, ein Erfolg, der Thomas Doll nur einen Sommer lang beschieden war. Klopp kommt als personifizierte Erfolgsstory ohne Haken zum BVB, Doll war schon vor seiner Ankunft durch die endlose Talfahrt mit dem HSV stigmatisiert. Der Mainzer dagegen weiß sich zu vermarkten - man sollte die ZDF-Auftritte, die das Bild von einem taktisch versierten Motivator entscheidend prägten, nicht unterschätzen - und tritt schon bei seiner ersten Pressekonferenz weitaus eloquenter auf als Doll - und das nicht nur wegen der kreativen Neologismen ("Vollgasveranstaltung").
War Rehhagel Vertreter der "kontrollierten Offensive", so ist Klopp Repräsentant einer "kalkulierten Glaubwürdigkeit" - alles wirkt schrecklich spontan, ist aber wohl durchdacht. Und trotzdem muss der Mainzer erst noch den Beweis antreten, dass er aus einem mittelmäßigen, für Platz 5 eindeutig zu dünn besetzen Team, eine begeisternde Mannschaft machen kann, die wenigstens um einen Rang in der oberen Tabellenhälfte nicht fürchten muss. Dortmunds schwieriges Umfeld, das nach zwei Siegen in Folge regelmäßig von der Champions-League-Qualifikation spricht, wird dabei kein guter Helfer sein - Klopp hätte es auch einfacher haben können, in Leverkusen hätten sie ihn sicher auch mit Kusshand aufgenommen; mit dem Unterschied, dass dort der Kader für den internationalen Wettbewerb bereits zusammengestellt ist. Es ehrt "Kloppo", sich für den Verein mit größerer Tradition und höherer Fandichte entschieden haben - in Leverkusen würden auch bei entsprechendem Stadion keine 80 000 Zuschauer gegen Jena nach einer durchwachsenden Saison kommen. Für Klopps Karriere könnte diese eventuell zu große Herausforderung aber einen Knick bedeuten - denn der Trainer war eines, aber nicht das einzige Problem in der abgelaufenen Spielzeit. Auf dieser Position musste allerdings etwas passieren: Wenn eine Saison mit einer 1:3-Heimniederlage gegen Duisburg beginnt und mit einer 2:4-Heimniederlage gegen Wolfsburg endet, kann keine Entwicklung stattgefunden haben.
... link (0 Kommentare) ... comment
Samstag, 3. Mai 2008
Still-Stand
kontrastmittel, 17:38h
Borussia Dortmund - 1. FC Nürnberg 0:0
0:0 - ein leistungsgerechtes Ergebnis, das den Spielverlauf präzise abbildet, da sich keine der beiden Mannschaften den Sieg verdiente und unter dem Strich ein erschreckend schwaches Bundesligaspiel zu Buche steht. Eigentlich könnte man den Spielbericht zu dieser Partie per Copy & Paste Verfahren zusammenstellen, denn dem Beobachter werden mit jedem weiteren Spieltag aufs Neue die seit der Hinrunde sichtbaren Mängel qualvoll vor Augen geführt. Genauso qualvoll ist der Umstand, dass es Trainer Thomas Doll offensichtlich nicht gelungen ist, diese seit Anbeginn der Hinrunde derartig virulenten Schwächen im Verlaufe unzähliger Trainingseinheiten zu verringern. Niemand erwartet von dem Dortmunder Kader die in Vollendung zelebrierte Raumdeckung von Manchester United oder deren technisch perfektionierten One-Touch-Football. Doch wenn die beiden jeweils aufgestellten Dortmunder Innenverteidiger hilflos versuchen, den Spielaufbau zu eröffnen, münden diese Bemühungen seit Spieltag 1 in verschwendete Quer- oder Rückpässe. Wenn der jeweilige Gegner auswärts auf Sicherheit bedacht ist, finden die Dortmunder Spieler seit jeher kein Mittel, zu hause gegen eine gut organisierte Mannschaft das Spiel selbst zu gestalten. Einzig die Reduktion der eklatanten Abwehrschwäche in den vergangenen Spielen ist den BVB-Verantwortlichen zugute zuhalten, wobei auch diese These nur unter Vorbehalt aufzustellen ist, da nicht zuletzt das biedere Offensivspiel der letzten beiden Gegner Frankfurt und Nürnberg die Defensivarbeit erheblich erleichterte. Dafür wurde allerdings der hohe Preis bezahlt, dass die Offensive sich noch schwerer tut und noch weniger spritzig zu Werke geht - selbst ein Mladen Petric wirkt in den letzten Spielen zunehmend wie ein transplantiertes Organ, das von seinem neuen Körper abgestoßen wird.
Die eigenen Fans, die das DFB-Pokalfinale noch zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden ließen, werden durch das Heimspiel-Doppelpack mit den Spielen gegen Nürnberg und Stuttgart wohl endgültig vergrault. Denn wie auch in den vorigen Spielen kann sich Dortmund nicht entscheiden, ob es wirklich auf Sieg oder nicht doch lieber nur auf Unentschieden spielen soll - und das gegen schlagbare Gegner, unterstützt von einem zahlreichen Heimpublikum. Gegen Mannschaften wie Nürnberg oder Hannover, gegen die zuhause bei gehobenen Ansprüchen jeweils drei Punkte eingeplant sein müssten, zeigt sich die Borussia unentschlossen und statt dem Willen zum Sieg höchstens das Ziel, eine Niederlage zu vermeiden. Das ist zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig. Und vor allem zu wenig, um aus dem tristen Mittelmaß der zweistelligen Tabellenplätze herauszufinden. Dies ist nun gegen Ende einer verkorksten Saison ohnehin nicht mehr möglich, aber selbst zur Schadensbegrenzung und damit einer leichten Verbesserung des Tabellenplatzen auf Platz 11 scheint die Mannschaft nicht willens.
Ohne die Vergangenheit nostalgisch verklären zu wollen, fehlen dem BVB Spieler wie Jan Koller, der mit Nürnberg an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte und sich zum Unmut des Nürnberger Anhangs minutenlang von den Dortmunder Fans feiern ließ. Potenzial zum Führungsspieler haben allenfalls der dauerverletzte Sebastian Kehl oder der bissige, aber glücklose Alex Frei. Immerhin stimmt Blaszczykowskis zweiter überzeugender Auftritt in Folge positiv; der Pole, der in der Hinrunde den gehobenen Erwartungen in keiner Weiser entsprechen konnte, profitierte mental von dem Schub seines ersten Bundesliga-Tores letzte Woche und war auffälligster, wenn auch wegen zahlreicher egoistischer Einzelaktionen nicht effizientester Akteur mit schwarz-gelbem Dress auf dem Platz. Er deutete erstmalig seine Funktion als temporeicher und dribbelstarker "Aufreißer" auf der rechten Seite an.
0:0 - ein leistungsgerechtes Ergebnis, das den Spielverlauf präzise abbildet, da sich keine der beiden Mannschaften den Sieg verdiente und unter dem Strich ein erschreckend schwaches Bundesligaspiel zu Buche steht. Eigentlich könnte man den Spielbericht zu dieser Partie per Copy & Paste Verfahren zusammenstellen, denn dem Beobachter werden mit jedem weiteren Spieltag aufs Neue die seit der Hinrunde sichtbaren Mängel qualvoll vor Augen geführt. Genauso qualvoll ist der Umstand, dass es Trainer Thomas Doll offensichtlich nicht gelungen ist, diese seit Anbeginn der Hinrunde derartig virulenten Schwächen im Verlaufe unzähliger Trainingseinheiten zu verringern. Niemand erwartet von dem Dortmunder Kader die in Vollendung zelebrierte Raumdeckung von Manchester United oder deren technisch perfektionierten One-Touch-Football. Doch wenn die beiden jeweils aufgestellten Dortmunder Innenverteidiger hilflos versuchen, den Spielaufbau zu eröffnen, münden diese Bemühungen seit Spieltag 1 in verschwendete Quer- oder Rückpässe. Wenn der jeweilige Gegner auswärts auf Sicherheit bedacht ist, finden die Dortmunder Spieler seit jeher kein Mittel, zu hause gegen eine gut organisierte Mannschaft das Spiel selbst zu gestalten. Einzig die Reduktion der eklatanten Abwehrschwäche in den vergangenen Spielen ist den BVB-Verantwortlichen zugute zuhalten, wobei auch diese These nur unter Vorbehalt aufzustellen ist, da nicht zuletzt das biedere Offensivspiel der letzten beiden Gegner Frankfurt und Nürnberg die Defensivarbeit erheblich erleichterte. Dafür wurde allerdings der hohe Preis bezahlt, dass die Offensive sich noch schwerer tut und noch weniger spritzig zu Werke geht - selbst ein Mladen Petric wirkt in den letzten Spielen zunehmend wie ein transplantiertes Organ, das von seinem neuen Körper abgestoßen wird.
Die eigenen Fans, die das DFB-Pokalfinale noch zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden ließen, werden durch das Heimspiel-Doppelpack mit den Spielen gegen Nürnberg und Stuttgart wohl endgültig vergrault. Denn wie auch in den vorigen Spielen kann sich Dortmund nicht entscheiden, ob es wirklich auf Sieg oder nicht doch lieber nur auf Unentschieden spielen soll - und das gegen schlagbare Gegner, unterstützt von einem zahlreichen Heimpublikum. Gegen Mannschaften wie Nürnberg oder Hannover, gegen die zuhause bei gehobenen Ansprüchen jeweils drei Punkte eingeplant sein müssten, zeigt sich die Borussia unentschlossen und statt dem Willen zum Sieg höchstens das Ziel, eine Niederlage zu vermeiden. Das ist zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig. Und vor allem zu wenig, um aus dem tristen Mittelmaß der zweistelligen Tabellenplätze herauszufinden. Dies ist nun gegen Ende einer verkorksten Saison ohnehin nicht mehr möglich, aber selbst zur Schadensbegrenzung und damit einer leichten Verbesserung des Tabellenplatzen auf Platz 11 scheint die Mannschaft nicht willens.
Ohne die Vergangenheit nostalgisch verklären zu wollen, fehlen dem BVB Spieler wie Jan Koller, der mit Nürnberg an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte und sich zum Unmut des Nürnberger Anhangs minutenlang von den Dortmunder Fans feiern ließ. Potenzial zum Führungsspieler haben allenfalls der dauerverletzte Sebastian Kehl oder der bissige, aber glücklose Alex Frei. Immerhin stimmt Blaszczykowskis zweiter überzeugender Auftritt in Folge positiv; der Pole, der in der Hinrunde den gehobenen Erwartungen in keiner Weiser entsprechen konnte, profitierte mental von dem Schub seines ersten Bundesliga-Tores letzte Woche und war auffälligster, wenn auch wegen zahlreicher egoistischer Einzelaktionen nicht effizientester Akteur mit schwarz-gelbem Dress auf dem Platz. Er deutete erstmalig seine Funktion als temporeicher und dribbelstarker "Aufreißer" auf der rechten Seite an.
... link (0 Kommentare) ... comment
Samstag, 26. April 2008
Die Beruhigungspille
kontrastmittel, 21:48h
Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 1:1
Ein durch und durch deutsches Spiel: Diplomatisch, bisweilen bürokratisch, diszipliniert und mit einem Schuss wohldosierter Unterhaltsamkeit. Besonders aus Dortmunder Sicht ist das allerdings kein Anlass zur Kritik: Nach langen Wochen unsortierter "Spielgestaltung" und nachlässiger Abwehrarbeit ist die beamtische Ruhe, die gestern in der Commerzbank-Arena streckenweise einkehrte, durchaus als positives Signal zu werten in Richtung strukturierter Spielweise und konzentrietem Abwehrverhalten. Die im bisherigen Saisonverlauf nicht ganz grundlos als Opa-Abwehr verspottete Innenverteidigung Kovac/Wörns machte nach dem DFB-Pokalfinale das zweite souveräne Spiel infolge; selbst das Fehlen des Abräumers Kehl konnte durch einen bemerkenswert starken Auftritt des Ergänzungsspielers Marc-Andre Kruska ausgeglichen werden. Speziell die erste Halbzeit mag für den neutralen Zuschauer ereignisarm und unspannend gewesen sein - für den Beobachter mit der schwarz-gelben Brille war es allerdings ein wohltuend durchorganisierter und Nerven schonender Auftritt, bei dem selbst die ansonsten häufig verhängnisvolle Anfangsphase problemlos überstanden wurde. Auch wenn beispielsweise ein Florian Kringe viele vermeidbare Ballverluste zu verzeichnen hatte, so lief die Dortmunder Spielaufbau-Maschine deutlich geschmeidiger als noch vor wenigen Wochen. Angriffe über viele Stationen waren keine Utopie, auch weil Laufbereitschaft und das massive Fünfer-Mittelfeld dank zahlreicher Anspielstationen flüssige und fehlerfreie Kombinationen ermöglichten. Leidträger waren allerdings die Sturmspitze Frei und die hängende Spitze Petric, die beide nicht optimal ins Spiel eingebunden wurden.
Thomas Dolls Wut-Rede unter der Woche kam viel Aufmerksamkeit zu, vielleicht mehr als diesem Bundesligaspiel zwischen zwei Mittelfeld-Mannschaften, für die die entscheidende Saisonphase gar nicht mehr so entscheidend ist. Es wurde die sehr künstliche Frage konstruiert, welchen Einfluss diese Rede auf die Dortmunder Spieler hatte, und die Antwort ist, dass die Auswirkungen nur minimal spürbar waren. Dennoch sprach Thomas Doll davon, dass seine Mannschaft eine „Reaktion“ gezeigt habe – ein Indiz dafür, dass in der teilweise durchaus nachvollziehbaren Medien-Schelte mehr Kalkül steckte als zunächst angenommen. Vor allem darf die Ansprache als Versuch Dolls gewertet werden, als Trainer-Persönlichkeit etwas Profil zu gewinnen und sein aalglattes Kumpel-Image eines unverfänglichen Phrasendreschers, das ihm immer noch beharrlich anhaftet, abzustreifen. Das konstruktive, aber biedere 1:1 deutet darauf hin, dass den Spielern die Aufsehen erregende Meinungsäußerung ihres Coachs weitestgehend gleichgültig war. Ein Blick auf die Tabelle nach dem fast vollendeten 30. Spieltag zeigt, dass dieses Unentschieden – was auch zu erwarten war – allerhöchstens einen psychischen, aber keinen tabellarischen Schub bedeutet.
Nun folgen zwei Heimspiele gegen Nürnberg (Wo mit Spannung die Rückkehr von Jan Koller an seine alte Wirkungsstätte erwartet wird) und Stuttgart – beides Gegner, für die es im Saisonfinale noch um etwas geht. Hier könnte sich der BVB beweisen und mit vier bis sechs Punkten aus den beiden Heimspielen noch einen versöhnlichen Schlusspunkt setzten sowie wenigstens Platz 11 in Angriff nehmen. Dann hätte Thomas Doll nicht nur die gewünschte Ruhe, die eigentlich schon mit diesem 1:1 vom Freitag einkehren sollte, sondern auch gute Chancen auf einen Verbleib bei Borussia Dortmund – aber nur dann.
Ein durch und durch deutsches Spiel: Diplomatisch, bisweilen bürokratisch, diszipliniert und mit einem Schuss wohldosierter Unterhaltsamkeit. Besonders aus Dortmunder Sicht ist das allerdings kein Anlass zur Kritik: Nach langen Wochen unsortierter "Spielgestaltung" und nachlässiger Abwehrarbeit ist die beamtische Ruhe, die gestern in der Commerzbank-Arena streckenweise einkehrte, durchaus als positives Signal zu werten in Richtung strukturierter Spielweise und konzentrietem Abwehrverhalten. Die im bisherigen Saisonverlauf nicht ganz grundlos als Opa-Abwehr verspottete Innenverteidigung Kovac/Wörns machte nach dem DFB-Pokalfinale das zweite souveräne Spiel infolge; selbst das Fehlen des Abräumers Kehl konnte durch einen bemerkenswert starken Auftritt des Ergänzungsspielers Marc-Andre Kruska ausgeglichen werden. Speziell die erste Halbzeit mag für den neutralen Zuschauer ereignisarm und unspannend gewesen sein - für den Beobachter mit der schwarz-gelben Brille war es allerdings ein wohltuend durchorganisierter und Nerven schonender Auftritt, bei dem selbst die ansonsten häufig verhängnisvolle Anfangsphase problemlos überstanden wurde. Auch wenn beispielsweise ein Florian Kringe viele vermeidbare Ballverluste zu verzeichnen hatte, so lief die Dortmunder Spielaufbau-Maschine deutlich geschmeidiger als noch vor wenigen Wochen. Angriffe über viele Stationen waren keine Utopie, auch weil Laufbereitschaft und das massive Fünfer-Mittelfeld dank zahlreicher Anspielstationen flüssige und fehlerfreie Kombinationen ermöglichten. Leidträger waren allerdings die Sturmspitze Frei und die hängende Spitze Petric, die beide nicht optimal ins Spiel eingebunden wurden.
Thomas Dolls Wut-Rede unter der Woche kam viel Aufmerksamkeit zu, vielleicht mehr als diesem Bundesligaspiel zwischen zwei Mittelfeld-Mannschaften, für die die entscheidende Saisonphase gar nicht mehr so entscheidend ist. Es wurde die sehr künstliche Frage konstruiert, welchen Einfluss diese Rede auf die Dortmunder Spieler hatte, und die Antwort ist, dass die Auswirkungen nur minimal spürbar waren. Dennoch sprach Thomas Doll davon, dass seine Mannschaft eine „Reaktion“ gezeigt habe – ein Indiz dafür, dass in der teilweise durchaus nachvollziehbaren Medien-Schelte mehr Kalkül steckte als zunächst angenommen. Vor allem darf die Ansprache als Versuch Dolls gewertet werden, als Trainer-Persönlichkeit etwas Profil zu gewinnen und sein aalglattes Kumpel-Image eines unverfänglichen Phrasendreschers, das ihm immer noch beharrlich anhaftet, abzustreifen. Das konstruktive, aber biedere 1:1 deutet darauf hin, dass den Spielern die Aufsehen erregende Meinungsäußerung ihres Coachs weitestgehend gleichgültig war. Ein Blick auf die Tabelle nach dem fast vollendeten 30. Spieltag zeigt, dass dieses Unentschieden – was auch zu erwarten war – allerhöchstens einen psychischen, aber keinen tabellarischen Schub bedeutet.
Nun folgen zwei Heimspiele gegen Nürnberg (Wo mit Spannung die Rückkehr von Jan Koller an seine alte Wirkungsstätte erwartet wird) und Stuttgart – beides Gegner, für die es im Saisonfinale noch um etwas geht. Hier könnte sich der BVB beweisen und mit vier bis sechs Punkten aus den beiden Heimspielen noch einen versöhnlichen Schlusspunkt setzten sowie wenigstens Platz 11 in Angriff nehmen. Dann hätte Thomas Doll nicht nur die gewünschte Ruhe, die eigentlich schon mit diesem 1:1 vom Freitag einkehren sollte, sondern auch gute Chancen auf einen Verbleib bei Borussia Dortmund – aber nur dann.
... link (0 Kommentare) ... comment
Sonntag, 20. April 2008
Eine sympathische Niederlage
kontrastmittel, 14:01h
Borussia Dortmund - FC Bayern München 1:2 n.V.
Es war ein würdiges Pokalfinale, das mit dem FC Bayern überdies den richtigen Sieger hatte. Dennoch hat auch Borussia Dortmund endlich wieder angedeutet, zu welchen Leistungen sie eigentlich imstande sind und wie sehr die Spiele der vergangenen Wochen unter dem Normalniveau lagen. Dies wiederum weist allerdings darauf hin, das beim BVB derzeit unverhältnismäßig viel Potenzial ungenutzt brach liegt und nur auf Freisetzung wartet. Berlin ist aber auch ein weiterer Beleg dafür, wie begeisterungsfähig das Dortmunder Publikum ist und wie sehr es eine leistungsbereite und willensstarke Spitzenmannschaft verdient hat. Doch dass die Begegnung überhaupt zu einem spannenden und vorzeigbaren Finale wurde, ist vor allem der Nachlässigkeit der Bayern zu verdanken, die aus der omnipräsenten Anfangsnervosität der Dortmunder nicht angemessen Kapital schlugen. Nur der Umstand, dass der BVB die ersten dreißig Minuten mit einem schmeichelhaften 0:1-Rückstand überstehen konnte, machte erst den darauf folgenden Kraftakt möglich, welcher mit dem verdienten Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit einherging. Nach der erneuten Führung durch Luca Toni, dem Gerd Müller der Postmoderne, hatte Dortmund, das aus dem Nichts vom Gegentor überrascht wurde und in der Verlängerung zunächst an der Sensation zu schnuppern schien, nichts mehr entgegenzusetzen. Trotzdem gab es einige Gewinner auf Seiten der Schwarz-Gelben: Marc Ziegler, der endlich wieder an seine guten Pokal-Vorstellungen anknüpfen konnte; Wörns und Kovac, die eine erstaunlich sichere Innenverteidigung bildeten und nun über einen längeren Zeitraum die Chance zur Bewährung erhalten sollten; Florian Kringe, der mit Durchsetzungskraft und Engagement Inbegriff eines neuen Dortmunder Kampfgeistes wurde.
Vielleicht kann dieses Pokalfinale tatsächlich eine Initialzündung für einen versöhnlichen Bundesliga-Abschluss sein - die Chance dazu sollte man der Mannschaft jedenfalls nicht nehmen, auch wenn vieles gegen eine positive Serie spricht. Zu oft folgten auf gute Ansätze schwache Spiele, zu selten konnte nach guten Leistungen die Spannung bis zum nächsten Spiel aufrecht erhalten werden. Mit dem Erreichen des Uefa-Cups hat die Mannschaft den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht - ohne sich in den letzten Jahren in der Bundesliga dauerhaft bewiesen und für einen solchen Wettbewerb empfohlen zu haben. Doch der Uefa-Cup kann auch eine einmalige Chance sein, der Mannschaft die Augen zu öffnen, was alles machbar ist.
Ob Thomas Doll zu diesem Zeitpunkt noch auf Pressekonferenzen seine Floskeln zum Besten geben darf, ist ungewiss. Eine solche Chance zur internationalen Bewährung optimal auszunutzen - dazu gehört eben auch, einen Trainer zu haben, der diesen Anforderungen gewachsen ist. Wer die teils berauschenden Auftritte in der Hinrunde gegen Bremen (3:0) und Bielefeld (6:1) nebst deprimierenden Leistungen gegen Duisburg (1:3) und Nürnberg (0:2) nachvollzogen hat und mit dem Abschneiden des BVBs in der Rückrunde vergleicht, kommt schnell zur Feststellung, dass keine positive Entwicklung stattgefunden hat. Im Gegenteil: Ebendiese positiven Ausreißer wie gegen Bremen und Bielefeld in der Hinserie sind noch seltener geworden und wurden durch uninspirierte, lieblose Auftritte ersetzt. Gelingt es Doll nicht, wenigstens in den verbleibenden Bundesliga-Spielen eine tabellarisch wie spielerisch positive Entwicklung herbeizuführen, disqualifiziert er sich für die kommenden Aufgaben. Denn die Schwächen wie Abwehrverhalten, Spielaufbau und mangelnde Konstanz sind in all den Monaten dieselben geblieben. Dass Doll allerdings - wie gestern im Vorfeld des Endspiels geschehen - öffentlich durch die Verbreitung von Gerüchten so demontiert wird, hat auch ein wenig erfolgreicher Trainer nicht verdient. Aus internen Kreisen wurde die Absicht lanciert, Jürgen Klopp für die nächste Saison als Trainer verpflichten zu wollen - wenige Stunden vor dem vermutlich wichtigsten Saisonspiel.
Es war ein würdiges Pokalfinale, das mit dem FC Bayern überdies den richtigen Sieger hatte. Dennoch hat auch Borussia Dortmund endlich wieder angedeutet, zu welchen Leistungen sie eigentlich imstande sind und wie sehr die Spiele der vergangenen Wochen unter dem Normalniveau lagen. Dies wiederum weist allerdings darauf hin, das beim BVB derzeit unverhältnismäßig viel Potenzial ungenutzt brach liegt und nur auf Freisetzung wartet. Berlin ist aber auch ein weiterer Beleg dafür, wie begeisterungsfähig das Dortmunder Publikum ist und wie sehr es eine leistungsbereite und willensstarke Spitzenmannschaft verdient hat. Doch dass die Begegnung überhaupt zu einem spannenden und vorzeigbaren Finale wurde, ist vor allem der Nachlässigkeit der Bayern zu verdanken, die aus der omnipräsenten Anfangsnervosität der Dortmunder nicht angemessen Kapital schlugen. Nur der Umstand, dass der BVB die ersten dreißig Minuten mit einem schmeichelhaften 0:1-Rückstand überstehen konnte, machte erst den darauf folgenden Kraftakt möglich, welcher mit dem verdienten Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit einherging. Nach der erneuten Führung durch Luca Toni, dem Gerd Müller der Postmoderne, hatte Dortmund, das aus dem Nichts vom Gegentor überrascht wurde und in der Verlängerung zunächst an der Sensation zu schnuppern schien, nichts mehr entgegenzusetzen. Trotzdem gab es einige Gewinner auf Seiten der Schwarz-Gelben: Marc Ziegler, der endlich wieder an seine guten Pokal-Vorstellungen anknüpfen konnte; Wörns und Kovac, die eine erstaunlich sichere Innenverteidigung bildeten und nun über einen längeren Zeitraum die Chance zur Bewährung erhalten sollten; Florian Kringe, der mit Durchsetzungskraft und Engagement Inbegriff eines neuen Dortmunder Kampfgeistes wurde.
Vielleicht kann dieses Pokalfinale tatsächlich eine Initialzündung für einen versöhnlichen Bundesliga-Abschluss sein - die Chance dazu sollte man der Mannschaft jedenfalls nicht nehmen, auch wenn vieles gegen eine positive Serie spricht. Zu oft folgten auf gute Ansätze schwache Spiele, zu selten konnte nach guten Leistungen die Spannung bis zum nächsten Spiel aufrecht erhalten werden. Mit dem Erreichen des Uefa-Cups hat die Mannschaft den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht - ohne sich in den letzten Jahren in der Bundesliga dauerhaft bewiesen und für einen solchen Wettbewerb empfohlen zu haben. Doch der Uefa-Cup kann auch eine einmalige Chance sein, der Mannschaft die Augen zu öffnen, was alles machbar ist.
Ob Thomas Doll zu diesem Zeitpunkt noch auf Pressekonferenzen seine Floskeln zum Besten geben darf, ist ungewiss. Eine solche Chance zur internationalen Bewährung optimal auszunutzen - dazu gehört eben auch, einen Trainer zu haben, der diesen Anforderungen gewachsen ist. Wer die teils berauschenden Auftritte in der Hinrunde gegen Bremen (3:0) und Bielefeld (6:1) nebst deprimierenden Leistungen gegen Duisburg (1:3) und Nürnberg (0:2) nachvollzogen hat und mit dem Abschneiden des BVBs in der Rückrunde vergleicht, kommt schnell zur Feststellung, dass keine positive Entwicklung stattgefunden hat. Im Gegenteil: Ebendiese positiven Ausreißer wie gegen Bremen und Bielefeld in der Hinserie sind noch seltener geworden und wurden durch uninspirierte, lieblose Auftritte ersetzt. Gelingt es Doll nicht, wenigstens in den verbleibenden Bundesliga-Spielen eine tabellarisch wie spielerisch positive Entwicklung herbeizuführen, disqualifiziert er sich für die kommenden Aufgaben. Denn die Schwächen wie Abwehrverhalten, Spielaufbau und mangelnde Konstanz sind in all den Monaten dieselben geblieben. Dass Doll allerdings - wie gestern im Vorfeld des Endspiels geschehen - öffentlich durch die Verbreitung von Gerüchten so demontiert wird, hat auch ein wenig erfolgreicher Trainer nicht verdient. Aus internen Kreisen wurde die Absicht lanciert, Jürgen Klopp für die nächste Saison als Trainer verpflichten zu wollen - wenige Stunden vor dem vermutlich wichtigsten Saisonspiel.
... link (0 Kommentare) ... comment
Donnerstag, 17. April 2008
Konzept, welches Konzept?
kontrastmittel, 21:29h
Borussia Dortmund - Hannover 96 1:3
Die vierte Heimniederlage der Saison gegen Hannover 96 sorgt für besonders hohe Aufmerksamkeit: Sie folgt auf die höchste Saisonniederlage (0:5) und geht dem wohl wichtigsten Saisonspiel am kommenden Samstag, dem DFB-Pokalfinale in Berlin, voraus. Ein Torverhältnis von 1:8 in den letzten beiden Spielen sagt viel aus über eine verunsicherte, charakterschwache Mannschaft, die in der entscheidenden Phase zu versagen droht. War der BVB in den vergangenen Wochen noch Inbegriff des gepflegten Mittelmaßes, über den es sich kaum zu berichten lohnt, ist nun bereits wieder eine lebhaft geführte Trainerdiskussion im Gange. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Thomas Doll sich hinter abgegriffenen und nichts sagenden Phrasen zu verstecken versucht - doch dazu sind seine Allerweltsfloskeln viel zu durchsichtig. Immer wenn Doll den Eindruck erwecken möchte, schonungslosen Klartext zu reden, scheint es, als umschiffe er die die eigentlichen Probleme bewusst. Er baut sich in einer Art Abwehrreflex einen kleinen Schutzwall auf, der ihn von der öffentlichen Meinung abkanzelt und eine sachgerechte Diskussion verhindert. Man könnte meinen, dass Doll zumindest intern den Finger in die Wunden legt, doch die Ergebnisse und das Auftreten seiner Mannschaft sprechen gegen diese These. Dazu kommt eine nebulöse Aufstellung und taktische Ausrichtung, die kein klares Konzept erkenntlich werden lässt. In einer Mischung aus Schonung für das Endspiel (Wörns, Frei und Valdez blieben draußen) und risikoreichen Notlösungen (Höttecke, Degen und Blaszczykowski durften spielen) schickte er eine zusammen gewürfelte Elf auf den Rasen des Signal Iduna Parks, die nicht so recht konform gehen wollte mit den Äußerungen, dass Dortmund ein schweres Bundesliga-Spiel vor der Brust habe, welches es zu gewinnen gelte. Auch die taktische Ausrichtung der Borussia lässt keinen Rückschluss auf einen ernsthaften Sinneswandel bei Team und Trainer infolge der desillusionierenden Ergebnisse der letzten Wochen zu: Völlig orientierungs- und im wahrsten Sinne des Wortes ziellos wirkte Dortmund in der Anfangsphase - als ob ein Unentschieden den Ansprüchen genügen würde, als ob es die desolaten Anfangsphasen gegen München und Bochum nie gegeben hätte. Der Wille, diese eklatante Schwäche abzustellen, war nicht erkennbar. Keine Struktur im Offensivspiel, kein sukzessive aufgebauter Angriff. Da stellt sich schon die Frage, ob das Einstudieren eines kontrollierten Spielaufbaus überhaupt regelmäßiger Bestandteil des Dortmunder Trainingsplans ist.
19 verschiedene Abwehrformationen hat Thomas Doll in dieser Spielzeit bislang aufgeboten. Diese Zahl geistert im Zusammenhang mit den letzten Spielen immer häufiger durch den Blätterwald und weist auf ein weiteres Manko hin: Keine Innenverteidigung konnte wirklich Vertrauen gewinnen - zwar bestärkten schlechte Leistungen, Sperren, Verletzungen und das an für sich verlockende Angebot von satten fünf Innenverteidigern den Chefcoach in seiner zunehmend hilflosen Wechselwut, doch allzu oft riss dieser ein Duo, das auf dem Wege war, Fuß zu fassen (etwa Kovac und Amedick), wieder vorschnell auseinander. Die Torwartposition bleibt ein weiteres Problemkind, das auch mit der Rückkehr von Roman Weidenfeller zu Beginn der nächsten Saison noch nach Zuwendung schreit - denn die ungleichmäßigen Leistungen der verletzungsgeplagten Nummer Eins sind noch in bester Erinnerung. Der zweite Mittelfeldanzug inklusive Kruska und Blaszczykowski weist ebenfalls Mängel auf, ist aber in Topbesetzung mit Tinga und einem Federico in guter Form noch der Mannschaftsteil, der zusammen mit dem Angriff am wenigsten Anlass zur Sorge bereitet.
In Hinblick auf die langzeitliche Entwicklung von Borussia Dortmund werden also in den nächsten Wochen einige grundsätzliche Fragen zu klären sein - etwa, warum dem Team selbst nach deftigen Klatschen wie gegen die Bayern der Siegeswille im darauf folgenden Spiel fehlt oder ob Thomas Doll noch der richtige Mann für den BVB ist. Zu seiner Verteidigung sei angeführt, dass weder Bert van Marwijk (mit teils erheblich stärkerem Spielermaterial) noch Kurzzeit-Coach Jürgen Röber wesentlich besser abgeschnitten haben. Und mit Blick auf das DFB-Pokalfinale lenken diese langfristig angelegten Grundsatzdiskussionen ohnehin eher ab, als dass sie von Nutzen sind. Etwaige Verbesserungen dort sind nur über die mentale Komponente zu erreichen, wo Konzentration, Laufbereitschaft, Selbstvertrauen und Siegeswille gesteigert werden müssen. Zugeständnisse sind vom FC Bayern naturgemäß nicht zu erwarten, einzig das Spiel gegen Getafe und das verräterisch hohe 5:0 geben ein wenig Anlass zur Hoffnung, da Druck und Favoritenrolle vielleicht zu schwer auf den Münchenern Spielern lasten.
Die vierte Heimniederlage der Saison gegen Hannover 96 sorgt für besonders hohe Aufmerksamkeit: Sie folgt auf die höchste Saisonniederlage (0:5) und geht dem wohl wichtigsten Saisonspiel am kommenden Samstag, dem DFB-Pokalfinale in Berlin, voraus. Ein Torverhältnis von 1:8 in den letzten beiden Spielen sagt viel aus über eine verunsicherte, charakterschwache Mannschaft, die in der entscheidenden Phase zu versagen droht. War der BVB in den vergangenen Wochen noch Inbegriff des gepflegten Mittelmaßes, über den es sich kaum zu berichten lohnt, ist nun bereits wieder eine lebhaft geführte Trainerdiskussion im Gange. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Thomas Doll sich hinter abgegriffenen und nichts sagenden Phrasen zu verstecken versucht - doch dazu sind seine Allerweltsfloskeln viel zu durchsichtig. Immer wenn Doll den Eindruck erwecken möchte, schonungslosen Klartext zu reden, scheint es, als umschiffe er die die eigentlichen Probleme bewusst. Er baut sich in einer Art Abwehrreflex einen kleinen Schutzwall auf, der ihn von der öffentlichen Meinung abkanzelt und eine sachgerechte Diskussion verhindert. Man könnte meinen, dass Doll zumindest intern den Finger in die Wunden legt, doch die Ergebnisse und das Auftreten seiner Mannschaft sprechen gegen diese These. Dazu kommt eine nebulöse Aufstellung und taktische Ausrichtung, die kein klares Konzept erkenntlich werden lässt. In einer Mischung aus Schonung für das Endspiel (Wörns, Frei und Valdez blieben draußen) und risikoreichen Notlösungen (Höttecke, Degen und Blaszczykowski durften spielen) schickte er eine zusammen gewürfelte Elf auf den Rasen des Signal Iduna Parks, die nicht so recht konform gehen wollte mit den Äußerungen, dass Dortmund ein schweres Bundesliga-Spiel vor der Brust habe, welches es zu gewinnen gelte. Auch die taktische Ausrichtung der Borussia lässt keinen Rückschluss auf einen ernsthaften Sinneswandel bei Team und Trainer infolge der desillusionierenden Ergebnisse der letzten Wochen zu: Völlig orientierungs- und im wahrsten Sinne des Wortes ziellos wirkte Dortmund in der Anfangsphase - als ob ein Unentschieden den Ansprüchen genügen würde, als ob es die desolaten Anfangsphasen gegen München und Bochum nie gegeben hätte. Der Wille, diese eklatante Schwäche abzustellen, war nicht erkennbar. Keine Struktur im Offensivspiel, kein sukzessive aufgebauter Angriff. Da stellt sich schon die Frage, ob das Einstudieren eines kontrollierten Spielaufbaus überhaupt regelmäßiger Bestandteil des Dortmunder Trainingsplans ist.
19 verschiedene Abwehrformationen hat Thomas Doll in dieser Spielzeit bislang aufgeboten. Diese Zahl geistert im Zusammenhang mit den letzten Spielen immer häufiger durch den Blätterwald und weist auf ein weiteres Manko hin: Keine Innenverteidigung konnte wirklich Vertrauen gewinnen - zwar bestärkten schlechte Leistungen, Sperren, Verletzungen und das an für sich verlockende Angebot von satten fünf Innenverteidigern den Chefcoach in seiner zunehmend hilflosen Wechselwut, doch allzu oft riss dieser ein Duo, das auf dem Wege war, Fuß zu fassen (etwa Kovac und Amedick), wieder vorschnell auseinander. Die Torwartposition bleibt ein weiteres Problemkind, das auch mit der Rückkehr von Roman Weidenfeller zu Beginn der nächsten Saison noch nach Zuwendung schreit - denn die ungleichmäßigen Leistungen der verletzungsgeplagten Nummer Eins sind noch in bester Erinnerung. Der zweite Mittelfeldanzug inklusive Kruska und Blaszczykowski weist ebenfalls Mängel auf, ist aber in Topbesetzung mit Tinga und einem Federico in guter Form noch der Mannschaftsteil, der zusammen mit dem Angriff am wenigsten Anlass zur Sorge bereitet.
In Hinblick auf die langzeitliche Entwicklung von Borussia Dortmund werden also in den nächsten Wochen einige grundsätzliche Fragen zu klären sein - etwa, warum dem Team selbst nach deftigen Klatschen wie gegen die Bayern der Siegeswille im darauf folgenden Spiel fehlt oder ob Thomas Doll noch der richtige Mann für den BVB ist. Zu seiner Verteidigung sei angeführt, dass weder Bert van Marwijk (mit teils erheblich stärkerem Spielermaterial) noch Kurzzeit-Coach Jürgen Röber wesentlich besser abgeschnitten haben. Und mit Blick auf das DFB-Pokalfinale lenken diese langfristig angelegten Grundsatzdiskussionen ohnehin eher ab, als dass sie von Nutzen sind. Etwaige Verbesserungen dort sind nur über die mentale Komponente zu erreichen, wo Konzentration, Laufbereitschaft, Selbstvertrauen und Siegeswille gesteigert werden müssen. Zugeständnisse sind vom FC Bayern naturgemäß nicht zu erwarten, einzig das Spiel gegen Getafe und das verräterisch hohe 5:0 geben ein wenig Anlass zur Hoffnung, da Druck und Favoritenrolle vielleicht zu schwer auf den Münchenern Spielern lasten.
... link (0 Kommentare) ... comment
Montag, 7. April 2008
Schrecklich effizient
kontrastmittel, 00:03h
Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen 2:1
87 Minuten Grabesstille im Signal Iduna Park, allenfalls ein paar Unmutsbekundungen in Form von Pfiffen. 87 Minuten, die von beiden Seiten ohne jeden Siegeswillen oder Kampfgeist geführt wurden. 87 Minuten Nichtangriffs-Pakt, 87 Minuten der vielleicht schlechtesten Leistung der Spielzeit von Borussia Dortmund neben dem 0:2 in Nürnberg und den ersten beiden Saisonspielen. Ein müdes Geschiebe, als wären die Spieler eine halbe Stunde vor Anpfiff mit Jetlag aus Los Angeles eingeflogen worden – nach drei Tagen ohne Schlaf und mit viel Restalkohol in den Gliedern. Doch die folgenden sechs Minuten, drei davon in der Nachspielzeit, machten aus einem Friedhof eine Party-Meile, aus einem Haufen lethargischer Frühlingsmüdigkeit-Patienten eine geschlossene Truppe mit Elan und Durchsetzungskraft. Ein Spiel, wie es so gar nicht zum BVB passt – eher zum FC Bayern, der schwache Spiele schon mal gerne per vorbildlich effizientem Last-Minute-Tor für sich entscheidet. Die Partie, die eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hätte, hat also doch einen bekommen. Doll, der seit einigen Wochen davon spricht, dass man sich für gute Leistungen endlich belohnen müsse, wird die Frage gestellt bekommen: Der Lohn für was?
Zuvor hatte Ziegler eindrucksvoll bewiesen, dass er nicht die Konstanz besitzt, die einen Spieler für das DFB-Pokalfinale aufdrängen würde, indem er das 1:0 für Leverkusen quasi selbst schoss. Bayer ging also in Führung, obwohl sie das kaum gewollt haben können, wenn man sich ihre Spielweise bis zu diesem Zeitpunkt vor Augen führt. Nicht auszudenken, welch ungemütlichen Gegenwind Thomas Doll und seine Mannschaft ausgesetzt wären, hätte es nicht die unverhoffte Aufholjagd in den letzten Minuten gegeben. Es hätte eine Heimniederlage gegen einen erschreckend schwachen Gegner zu Buche gestanden; außerdem hätte jeder Beobachter des Spiels vollkommen gerechtfertigte Vorwürfe über eine mangelhafte Einstellung der Spieler geltend machen können – jeder der 11 Borussen war unter Normalform geblieben, keiner wollte Verantwortung übernehmen. Federicos und Valdez’ „Torschüsse“ in der Anfangsphase wirkten schon wie Alibi-Versuche, die ein völlig indisponiertes Auftreten in der restlichen Spielzeit entschuldigen sollten. Als Valdez dann zu Beginn des zweiten Durchgangs freistehend vor Adler vergab, ist man noch ein Stückchen mehr beeindruckt von der Geduld, die Thomas Doll nach wie vor mit dem Paraguayer hat.
Das erste Spiel seit 2006 gegen Hannover, das der BVB nach einem 0:1 noch drehen konnte. Mit dem Ergebnis wurde auch die gesamte Wahrnehmung des Spiels gedreht. Der verführerische Endstand hüllt einen dicken, undurchsichtigen Mantel um eine eigentlich besorgniserregende Leistung. Einerseits wird einem ganz bange mit Blick auf die nächsten zwei Spiele, wo der Gegner zweimal FC Bayern heißt. Da wird mit einer solch vorhersehbaren und hausbackenen Spieleröffnung aus der Abwehr kein Blumentopf zu gewinnen sein. Eine weitere Schwäche, die gegen Leverkusen besonders auffallend war, wird gegen den Rekordmeister allerdings kaum ins Gewicht fallen: Dass Borussia Dortmund im Regelfall gegen eine defensiv eingestellte Mannschaft kaum in der Lage ist, das Spiel über einen längeren Zeitraum hinweg zu gestalten, muss kein Problem sein, da diese Rolle ohnehin eher den Münchenern zukommt. Und außerdem gibt es da ja noch diese ominösen sechs Minuten, die Hoffnung machen.
87 Minuten Grabesstille im Signal Iduna Park, allenfalls ein paar Unmutsbekundungen in Form von Pfiffen. 87 Minuten, die von beiden Seiten ohne jeden Siegeswillen oder Kampfgeist geführt wurden. 87 Minuten Nichtangriffs-Pakt, 87 Minuten der vielleicht schlechtesten Leistung der Spielzeit von Borussia Dortmund neben dem 0:2 in Nürnberg und den ersten beiden Saisonspielen. Ein müdes Geschiebe, als wären die Spieler eine halbe Stunde vor Anpfiff mit Jetlag aus Los Angeles eingeflogen worden – nach drei Tagen ohne Schlaf und mit viel Restalkohol in den Gliedern. Doch die folgenden sechs Minuten, drei davon in der Nachspielzeit, machten aus einem Friedhof eine Party-Meile, aus einem Haufen lethargischer Frühlingsmüdigkeit-Patienten eine geschlossene Truppe mit Elan und Durchsetzungskraft. Ein Spiel, wie es so gar nicht zum BVB passt – eher zum FC Bayern, der schwache Spiele schon mal gerne per vorbildlich effizientem Last-Minute-Tor für sich entscheidet. Die Partie, die eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hätte, hat also doch einen bekommen. Doll, der seit einigen Wochen davon spricht, dass man sich für gute Leistungen endlich belohnen müsse, wird die Frage gestellt bekommen: Der Lohn für was?
Zuvor hatte Ziegler eindrucksvoll bewiesen, dass er nicht die Konstanz besitzt, die einen Spieler für das DFB-Pokalfinale aufdrängen würde, indem er das 1:0 für Leverkusen quasi selbst schoss. Bayer ging also in Führung, obwohl sie das kaum gewollt haben können, wenn man sich ihre Spielweise bis zu diesem Zeitpunkt vor Augen führt. Nicht auszudenken, welch ungemütlichen Gegenwind Thomas Doll und seine Mannschaft ausgesetzt wären, hätte es nicht die unverhoffte Aufholjagd in den letzten Minuten gegeben. Es hätte eine Heimniederlage gegen einen erschreckend schwachen Gegner zu Buche gestanden; außerdem hätte jeder Beobachter des Spiels vollkommen gerechtfertigte Vorwürfe über eine mangelhafte Einstellung der Spieler geltend machen können – jeder der 11 Borussen war unter Normalform geblieben, keiner wollte Verantwortung übernehmen. Federicos und Valdez’ „Torschüsse“ in der Anfangsphase wirkten schon wie Alibi-Versuche, die ein völlig indisponiertes Auftreten in der restlichen Spielzeit entschuldigen sollten. Als Valdez dann zu Beginn des zweiten Durchgangs freistehend vor Adler vergab, ist man noch ein Stückchen mehr beeindruckt von der Geduld, die Thomas Doll nach wie vor mit dem Paraguayer hat.
Das erste Spiel seit 2006 gegen Hannover, das der BVB nach einem 0:1 noch drehen konnte. Mit dem Ergebnis wurde auch die gesamte Wahrnehmung des Spiels gedreht. Der verführerische Endstand hüllt einen dicken, undurchsichtigen Mantel um eine eigentlich besorgniserregende Leistung. Einerseits wird einem ganz bange mit Blick auf die nächsten zwei Spiele, wo der Gegner zweimal FC Bayern heißt. Da wird mit einer solch vorhersehbaren und hausbackenen Spieleröffnung aus der Abwehr kein Blumentopf zu gewinnen sein. Eine weitere Schwäche, die gegen Leverkusen besonders auffallend war, wird gegen den Rekordmeister allerdings kaum ins Gewicht fallen: Dass Borussia Dortmund im Regelfall gegen eine defensiv eingestellte Mannschaft kaum in der Lage ist, das Spiel über einen längeren Zeitraum hinweg zu gestalten, muss kein Problem sein, da diese Rolle ohnehin eher den Münchenern zukommt. Und außerdem gibt es da ja noch diese ominösen sechs Minuten, die Hoffnung machen.
... link (0 Kommentare) ... comment
Samstag, 29. März 2008
Die 3:3 Wundertüte
kontrastmittel, 20:31h
VfL Bochum - Borussia Dortmund 3:3
"10 Minuten" - normalerweise werden diese beiden Worte vom Bildungsbürger mit der legendären Transrapid-Rede des ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber assoziiert, doch beim heutigen Revierderby zwischen Bochum und Dortmund waren die ersten 10 Minuten des Spiels Spiegel aller Abwehrprobleme der Borussia, die in dieser Saison je aufgetreten und so kennzeichnend für die Spielzeit 2007/2008 sind. Der Rest der Partie war vor allem charakteristisch für den bisherigen Dortmunder Rückrunden-Fußball: Spritzig und torgefährlich im Offensivspiel, einsatzfreudig und entschlossen (auch dank Antreiber Kehl) nach einem Rückstand, aber schließlich wird es doch ein Unentschieden, da man mit eigenem Unvermögen und mangelnder Courage einen Sieg verhindert. In der zweiten Hälfte dominierte die Angst vor dem Gewinnen - bloß nicht die eigene Aufholjagd mit einem Siegtor krönen, lieber die diplomatische Variante eines unverbindlichen Remis.
Ganz anders dagegen die Anfangsphase der Partie, in der ein unsicherer Keeper hinter einer noch unsichereren Abwehr agierte und man gemeinsam winselnd vor der gegnerischen Offensive niederkniete und um Gnade flehte. Die omnipräsente Anfangsnervosität wuchs mit fortschreitender Spielzeit zu einem panikähnlichen Zustand heran; besonders Kapitän Christian Wörns wirkte in seinem oft vergeblichen Bemühen, eine ungefährliche Ballannahme durchzuführen oder einen fünf Meter langen Querpass zu spielen wie ein schlecht vorbereiteter Abitur-Prüfling vor dem mündlichen Examen. Dabei müsste sich der Routinier, der mit der Borussia durch Meistersaisons und Abstiegskämpfe ging, doch mittlerweile eigentlich eine gewisse Abgeklärtheit erspielt haben. Neben ihm stand ein wenig souveräner Newcomer (diesmal Hummels, nicht Amedick), der sein weites Potenzial durchaus andeuten konnte, aber noch kein verlässlicher Partner ist. Auch im zweiten Revierderby der Rückrunde mit BVB-Beteiligung muss Dortmund also drei Gegentore hinnehmen (Nach der 2:3 Heimniederlage gegen Schalke) und zum zweiten Mal ist der Anteil der gesamten Dortmunder Hintermannschaft dabei nicht zu unterschätzen.
Alle Fünf Innenverteidiger der Borussia haben mittlerweile ihre Chance erhalten, keiner konnte die Rolle so ausfüllen, dass er mittelfristig als Abwehrchef infrage käme - der Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt im Sommer ist virulenter denn je. Meinen Wunsch für das heutige, bei frühlingshaftem Sonnenschein ausgetragene Spiel muss ich allerdings revidieren: Ich hatte auf einen Sieg gepocht, und äußerte, dass es mir egal wäre, wie er zustande käme. Aber ich muss gestehen, dass mir das 3:3 in seiner ganzen Unterhaltsamkeit doch deutlich lieber war als ein dreckiges, hanseatisches 1:0 - aber dazu ist der BVB ohnehin nicht imstande.
"10 Minuten" - normalerweise werden diese beiden Worte vom Bildungsbürger mit der legendären Transrapid-Rede des ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber assoziiert, doch beim heutigen Revierderby zwischen Bochum und Dortmund waren die ersten 10 Minuten des Spiels Spiegel aller Abwehrprobleme der Borussia, die in dieser Saison je aufgetreten und so kennzeichnend für die Spielzeit 2007/2008 sind. Der Rest der Partie war vor allem charakteristisch für den bisherigen Dortmunder Rückrunden-Fußball: Spritzig und torgefährlich im Offensivspiel, einsatzfreudig und entschlossen (auch dank Antreiber Kehl) nach einem Rückstand, aber schließlich wird es doch ein Unentschieden, da man mit eigenem Unvermögen und mangelnder Courage einen Sieg verhindert. In der zweiten Hälfte dominierte die Angst vor dem Gewinnen - bloß nicht die eigene Aufholjagd mit einem Siegtor krönen, lieber die diplomatische Variante eines unverbindlichen Remis.
Ganz anders dagegen die Anfangsphase der Partie, in der ein unsicherer Keeper hinter einer noch unsichereren Abwehr agierte und man gemeinsam winselnd vor der gegnerischen Offensive niederkniete und um Gnade flehte. Die omnipräsente Anfangsnervosität wuchs mit fortschreitender Spielzeit zu einem panikähnlichen Zustand heran; besonders Kapitän Christian Wörns wirkte in seinem oft vergeblichen Bemühen, eine ungefährliche Ballannahme durchzuführen oder einen fünf Meter langen Querpass zu spielen wie ein schlecht vorbereiteter Abitur-Prüfling vor dem mündlichen Examen. Dabei müsste sich der Routinier, der mit der Borussia durch Meistersaisons und Abstiegskämpfe ging, doch mittlerweile eigentlich eine gewisse Abgeklärtheit erspielt haben. Neben ihm stand ein wenig souveräner Newcomer (diesmal Hummels, nicht Amedick), der sein weites Potenzial durchaus andeuten konnte, aber noch kein verlässlicher Partner ist. Auch im zweiten Revierderby der Rückrunde mit BVB-Beteiligung muss Dortmund also drei Gegentore hinnehmen (Nach der 2:3 Heimniederlage gegen Schalke) und zum zweiten Mal ist der Anteil der gesamten Dortmunder Hintermannschaft dabei nicht zu unterschätzen.
Alle Fünf Innenverteidiger der Borussia haben mittlerweile ihre Chance erhalten, keiner konnte die Rolle so ausfüllen, dass er mittelfristig als Abwehrchef infrage käme - der Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt im Sommer ist virulenter denn je. Meinen Wunsch für das heutige, bei frühlingshaftem Sonnenschein ausgetragene Spiel muss ich allerdings revidieren: Ich hatte auf einen Sieg gepocht, und äußerte, dass es mir egal wäre, wie er zustande käme. Aber ich muss gestehen, dass mir das 3:3 in seiner ganzen Unterhaltsamkeit doch deutlich lieber war als ein dreckiges, hanseatisches 1:0 - aber dazu ist der BVB ohnehin nicht imstande.
... link (0 Kommentare) ... comment
Freitag, 28. März 2008
Von der Unmöglichkeit eines Last-Minute-Sieges
kontrastmittel, 16:36h
Borussia Dortmund - Karlsruher SC 1:1
Borussia Dortmund gewinnt 2:1 gegen den Karlsruher SC durch ein Tor von Innenverteidiger Christian Wörns in der Nachspielzeit. Hö? Geht doch gar nicht. Hat ja auch nicht gestimmt. Wäre ja auch zu schön gewesen. Ein spätes Last-Minute-Tor, von den Borussen mit unbändiger Kampfeskraft, trotziger Willenstärke und entschlossener Brechstangen-Taktik erzwungen - nichts würde weniger zu dem aktuellen BVB-Team passen. Es war ja auch nur ein surrealer Traum, aus dem die Anhänger durch die regelkonforme Schiedsrichter-Entscheidung schneller herausgerissen wurden, als ihnen lieb war. Das Tor wurde zu Recht abgepfiffen und zählte nicht. Wie gern hätte man als Fan der Schwarz-Gelben mal erlebt, wie ein Drei-Punkte-Endorphinstoß die Anspannung einer turbulenten Schlussphase löst, die Mannschaft alles auf eine Karte setzt und dafür mit dem Hauptgewinn belohnt wird.
Schade, dass es nicht geklappt hat - Christian Wörns, für mich leider irgendwie Symbol der Dortmunder Abwehrschwäche und hauptamtlicher Sündenbock, setzte schon zu einem soldatischen Torjubel-Gruß an, den man ihm sicher gegönnt hätte. Denn man muss ihm lassen, dass er der einzige Dortmunder Abwehrspieler mit eingebauter Torgefahr ist - was leider nicht nur für den gegnerischen, sondern auch für den eigenen Strafraum gilt. Trotz oder gerade wegen der vergebenen Schlussoffensive kann man gegenüber der Borussia keinerlei Einstellungs-Vorwurf geltend machen - das war ja nicht immer so, hat sich aber spätestens seit der Rückrunde mit dem Comeback des Antreibers Kehl weitestgehend gelegt. Ein Vorbild an Engagement ist auch Laufwunder Rukavina, dem allerdings auch der ein oder andere haarsträubende Ballverlust unterläuft. Wird der launische Degen im Sommer verkauft, ist die rechte Seite prompt wieder so unterbesetzt wie vor Rukavinas Eintreffen. Hans-Joachim Watzke kündigte ohnehin via Bild an, sich mit den Pokal-Millionen um den ein oder anderen Kracher bemühen zu wollen. Allerdings werden immer wieder potentielle Mittelfeld-Neuverpflichtungen in den Raum gestellt; doch die Baustellen bleiben in der Abwehr, wo zwar eine Fülle von Innenverteidigern zur Verfügung steht, aber keiner höhere Weihen rechtfertigt und in der Linksverteidigerposition ein Backup für Dede fehlt.
Am Samstag gegen Bochum muss es endlich mal wieder mit einem "Dreier" klappen - Hilft ja alles nichts. Die spielerisch hoffnungsvoll stimmenden und kämpferisch respektablen Leistungen der letzten Wochen können nicht über die mangelhafte Effizienz in der Punkteausbeute hinwegtrösten. Die Fähigkeit, eine Begegnung konstant ohne Schwächephase durchzuspielen, fehlt dem BVB - dafür hat Dortmund es perfektioniert, schwächeren Teams den roten Teppich auszurollen und sie zu Punktgewinnen einzuladen. Es müssen drei Punkte sein - der Rest ist egal. Zur Not langt ein unspektakuläres 2:1 wie im Hinspiel.
Borussia Dortmund gewinnt 2:1 gegen den Karlsruher SC durch ein Tor von Innenverteidiger Christian Wörns in der Nachspielzeit. Hö? Geht doch gar nicht. Hat ja auch nicht gestimmt. Wäre ja auch zu schön gewesen. Ein spätes Last-Minute-Tor, von den Borussen mit unbändiger Kampfeskraft, trotziger Willenstärke und entschlossener Brechstangen-Taktik erzwungen - nichts würde weniger zu dem aktuellen BVB-Team passen. Es war ja auch nur ein surrealer Traum, aus dem die Anhänger durch die regelkonforme Schiedsrichter-Entscheidung schneller herausgerissen wurden, als ihnen lieb war. Das Tor wurde zu Recht abgepfiffen und zählte nicht. Wie gern hätte man als Fan der Schwarz-Gelben mal erlebt, wie ein Drei-Punkte-Endorphinstoß die Anspannung einer turbulenten Schlussphase löst, die Mannschaft alles auf eine Karte setzt und dafür mit dem Hauptgewinn belohnt wird.
Schade, dass es nicht geklappt hat - Christian Wörns, für mich leider irgendwie Symbol der Dortmunder Abwehrschwäche und hauptamtlicher Sündenbock, setzte schon zu einem soldatischen Torjubel-Gruß an, den man ihm sicher gegönnt hätte. Denn man muss ihm lassen, dass er der einzige Dortmunder Abwehrspieler mit eingebauter Torgefahr ist - was leider nicht nur für den gegnerischen, sondern auch für den eigenen Strafraum gilt. Trotz oder gerade wegen der vergebenen Schlussoffensive kann man gegenüber der Borussia keinerlei Einstellungs-Vorwurf geltend machen - das war ja nicht immer so, hat sich aber spätestens seit der Rückrunde mit dem Comeback des Antreibers Kehl weitestgehend gelegt. Ein Vorbild an Engagement ist auch Laufwunder Rukavina, dem allerdings auch der ein oder andere haarsträubende Ballverlust unterläuft. Wird der launische Degen im Sommer verkauft, ist die rechte Seite prompt wieder so unterbesetzt wie vor Rukavinas Eintreffen. Hans-Joachim Watzke kündigte ohnehin via Bild an, sich mit den Pokal-Millionen um den ein oder anderen Kracher bemühen zu wollen. Allerdings werden immer wieder potentielle Mittelfeld-Neuverpflichtungen in den Raum gestellt; doch die Baustellen bleiben in der Abwehr, wo zwar eine Fülle von Innenverteidigern zur Verfügung steht, aber keiner höhere Weihen rechtfertigt und in der Linksverteidigerposition ein Backup für Dede fehlt.
Am Samstag gegen Bochum muss es endlich mal wieder mit einem "Dreier" klappen - Hilft ja alles nichts. Die spielerisch hoffnungsvoll stimmenden und kämpferisch respektablen Leistungen der letzten Wochen können nicht über die mangelhafte Effizienz in der Punkteausbeute hinwegtrösten. Die Fähigkeit, eine Begegnung konstant ohne Schwächephase durchzuspielen, fehlt dem BVB - dafür hat Dortmund es perfektioniert, schwächeren Teams den roten Teppich auszurollen und sie zu Punktgewinnen einzuladen. Es müssen drei Punkte sein - der Rest ist egal. Zur Not langt ein unspektakuläres 2:1 wie im Hinspiel.
... link (0 Kommentare) ... comment