Freitag, 23. Mai 2008
Klopp will die "Vollgasveranstaltung"
kontrastmittel, 21:28h
Die Saison ist vorbei, und mit ihr die Zeit des Thomas Doll in seiner Funktion als Trainer von Borussia Dortmund. Der richtige Zeitpunkt für Resümees, Gedankenspiele und Beobachtungen. Zunächst einmal nötigt es Respekt ab, wie schnell, sachlich und zielorientiert die sonst oft unglückliche BVB-Führungsetage einen Trainerwechsel vollzogen hat, den man guten Gewissens als "sauberen Schnitt" betiteln kann. Auch dank des Umstandes, dass die Borussia in den letzten Saisonspielen um die "Goldene Ananas" spielte, konnte man beruhigt das Ende der Spielzeit 2007/2008 abwarten, um dann - während ganz Fußball-Europa die zwei Buchstaben E und M auf den Lippen hat und der Vereinsfußball ruht - sich gezielt auf die Suche nach einem neuen Coach zu machen, der über die Sommerpause hinweg ein reiches Zeitkontingent zur Verfügung hat, ein schlüssiges Konzept zu entwickeln und seinen Kader während der gesamten Dauer der Vorbereitung kennen lernen darf.
Die Art, wie Jürgen Klopp seine erste Dortmunder Pressekonferenz bestritt, erinnerte fatal an seinen Vorgänger Thomas Doll, der auch einmal jung, dynamisch und erfolgshungrig auftrat und eine Aufbruchstimmung zu entfachen versuchte. Schnell nutzten sich seine Phrasen ab, statt einem anerkennenden Raunen ging immer häufiger ein abschätziges Augenrollen durch die Minen der Pressevertreter, die sich ebenso wie Dolls Spieler an die Floskeln gewöhnt hatten, welche vom Hamburger nie mit Inhalt gefüllt werden konnten. Statt leuchtende Augen sah der geneigte Beobachter zunehmend ein rat- und ausdrucksloses Gesicht beim Trainer der Schwarz-Gelben. Auch Klopp ist ein Kumpeltyp und vom Charakter her auf dem ersten Blick gar nicht so unterschiedlich. Aber: Sein Atem ist länger, seine unverbrauchte Art nutzt sich nicht so schnell ab, weil er ehrgeiziger, durchsetzungsfähiger und vor allem intelligenter ist als Doll, was ihm ermöglicht, seinen Stil auf authentische Art und Weise zu variieren. Während der softe Dolly sich in guten Zeiten anbiedert und in schlechten Phasen unglaubwürdig wird, wenn er mal wieder viel sagend ankündigt, den Hammer kreisen lassen zu wollen, kauft man dem energisch auftretenden Klopp, der auch mal ehrliche Emotionen zeigt, hartes Durchgreifen ab. Er braucht keine so offensichtlich aus Kalkül gehaltene Wutrede wie Doll, um sich Respekt zu verschaffen. Den hat er sich mit seinem kontinuierlichen Erfolg in Mainz verdient, ein Erfolg, der Thomas Doll nur einen Sommer lang beschieden war. Klopp kommt als personifizierte Erfolgsstory ohne Haken zum BVB, Doll war schon vor seiner Ankunft durch die endlose Talfahrt mit dem HSV stigmatisiert. Der Mainzer dagegen weiß sich zu vermarkten - man sollte die ZDF-Auftritte, die das Bild von einem taktisch versierten Motivator entscheidend prägten, nicht unterschätzen - und tritt schon bei seiner ersten Pressekonferenz weitaus eloquenter auf als Doll - und das nicht nur wegen der kreativen Neologismen ("Vollgasveranstaltung").
War Rehhagel Vertreter der "kontrollierten Offensive", so ist Klopp Repräsentant einer "kalkulierten Glaubwürdigkeit" - alles wirkt schrecklich spontan, ist aber wohl durchdacht. Und trotzdem muss der Mainzer erst noch den Beweis antreten, dass er aus einem mittelmäßigen, für Platz 5 eindeutig zu dünn besetzen Team, eine begeisternde Mannschaft machen kann, die wenigstens um einen Rang in der oberen Tabellenhälfte nicht fürchten muss. Dortmunds schwieriges Umfeld, das nach zwei Siegen in Folge regelmäßig von der Champions-League-Qualifikation spricht, wird dabei kein guter Helfer sein - Klopp hätte es auch einfacher haben können, in Leverkusen hätten sie ihn sicher auch mit Kusshand aufgenommen; mit dem Unterschied, dass dort der Kader für den internationalen Wettbewerb bereits zusammengestellt ist. Es ehrt "Kloppo", sich für den Verein mit größerer Tradition und höherer Fandichte entschieden haben - in Leverkusen würden auch bei entsprechendem Stadion keine 80 000 Zuschauer gegen Jena nach einer durchwachsenden Saison kommen. Für Klopps Karriere könnte diese eventuell zu große Herausforderung aber einen Knick bedeuten - denn der Trainer war eines, aber nicht das einzige Problem in der abgelaufenen Spielzeit. Auf dieser Position musste allerdings etwas passieren: Wenn eine Saison mit einer 1:3-Heimniederlage gegen Duisburg beginnt und mit einer 2:4-Heimniederlage gegen Wolfsburg endet, kann keine Entwicklung stattgefunden haben.
Die Art, wie Jürgen Klopp seine erste Dortmunder Pressekonferenz bestritt, erinnerte fatal an seinen Vorgänger Thomas Doll, der auch einmal jung, dynamisch und erfolgshungrig auftrat und eine Aufbruchstimmung zu entfachen versuchte. Schnell nutzten sich seine Phrasen ab, statt einem anerkennenden Raunen ging immer häufiger ein abschätziges Augenrollen durch die Minen der Pressevertreter, die sich ebenso wie Dolls Spieler an die Floskeln gewöhnt hatten, welche vom Hamburger nie mit Inhalt gefüllt werden konnten. Statt leuchtende Augen sah der geneigte Beobachter zunehmend ein rat- und ausdrucksloses Gesicht beim Trainer der Schwarz-Gelben. Auch Klopp ist ein Kumpeltyp und vom Charakter her auf dem ersten Blick gar nicht so unterschiedlich. Aber: Sein Atem ist länger, seine unverbrauchte Art nutzt sich nicht so schnell ab, weil er ehrgeiziger, durchsetzungsfähiger und vor allem intelligenter ist als Doll, was ihm ermöglicht, seinen Stil auf authentische Art und Weise zu variieren. Während der softe Dolly sich in guten Zeiten anbiedert und in schlechten Phasen unglaubwürdig wird, wenn er mal wieder viel sagend ankündigt, den Hammer kreisen lassen zu wollen, kauft man dem energisch auftretenden Klopp, der auch mal ehrliche Emotionen zeigt, hartes Durchgreifen ab. Er braucht keine so offensichtlich aus Kalkül gehaltene Wutrede wie Doll, um sich Respekt zu verschaffen. Den hat er sich mit seinem kontinuierlichen Erfolg in Mainz verdient, ein Erfolg, der Thomas Doll nur einen Sommer lang beschieden war. Klopp kommt als personifizierte Erfolgsstory ohne Haken zum BVB, Doll war schon vor seiner Ankunft durch die endlose Talfahrt mit dem HSV stigmatisiert. Der Mainzer dagegen weiß sich zu vermarkten - man sollte die ZDF-Auftritte, die das Bild von einem taktisch versierten Motivator entscheidend prägten, nicht unterschätzen - und tritt schon bei seiner ersten Pressekonferenz weitaus eloquenter auf als Doll - und das nicht nur wegen der kreativen Neologismen ("Vollgasveranstaltung").
War Rehhagel Vertreter der "kontrollierten Offensive", so ist Klopp Repräsentant einer "kalkulierten Glaubwürdigkeit" - alles wirkt schrecklich spontan, ist aber wohl durchdacht. Und trotzdem muss der Mainzer erst noch den Beweis antreten, dass er aus einem mittelmäßigen, für Platz 5 eindeutig zu dünn besetzen Team, eine begeisternde Mannschaft machen kann, die wenigstens um einen Rang in der oberen Tabellenhälfte nicht fürchten muss. Dortmunds schwieriges Umfeld, das nach zwei Siegen in Folge regelmäßig von der Champions-League-Qualifikation spricht, wird dabei kein guter Helfer sein - Klopp hätte es auch einfacher haben können, in Leverkusen hätten sie ihn sicher auch mit Kusshand aufgenommen; mit dem Unterschied, dass dort der Kader für den internationalen Wettbewerb bereits zusammengestellt ist. Es ehrt "Kloppo", sich für den Verein mit größerer Tradition und höherer Fandichte entschieden haben - in Leverkusen würden auch bei entsprechendem Stadion keine 80 000 Zuschauer gegen Jena nach einer durchwachsenden Saison kommen. Für Klopps Karriere könnte diese eventuell zu große Herausforderung aber einen Knick bedeuten - denn der Trainer war eines, aber nicht das einzige Problem in der abgelaufenen Spielzeit. Auf dieser Position musste allerdings etwas passieren: Wenn eine Saison mit einer 1:3-Heimniederlage gegen Duisburg beginnt und mit einer 2:4-Heimniederlage gegen Wolfsburg endet, kann keine Entwicklung stattgefunden haben.
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