Samstag, 26. April 2008
Die Beruhigungspille
Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 1:1

Ein durch und durch deutsches Spiel: Diplomatisch, bisweilen bürokratisch, diszipliniert und mit einem Schuss wohldosierter Unterhaltsamkeit. Besonders aus Dortmunder Sicht ist das allerdings kein Anlass zur Kritik: Nach langen Wochen unsortierter "Spielgestaltung" und nachlässiger Abwehrarbeit ist die beamtische Ruhe, die gestern in der Commerzbank-Arena streckenweise einkehrte, durchaus als positives Signal zu werten in Richtung strukturierter Spielweise und konzentrietem Abwehrverhalten. Die im bisherigen Saisonverlauf nicht ganz grundlos als Opa-Abwehr verspottete Innenverteidigung Kovac/Wörns machte nach dem DFB-Pokalfinale das zweite souveräne Spiel infolge; selbst das Fehlen des Abräumers Kehl konnte durch einen bemerkenswert starken Auftritt des Ergänzungsspielers Marc-Andre Kruska ausgeglichen werden. Speziell die erste Halbzeit mag für den neutralen Zuschauer ereignisarm und unspannend gewesen sein - für den Beobachter mit der schwarz-gelben Brille war es allerdings ein wohltuend durchorganisierter und Nerven schonender Auftritt, bei dem selbst die ansonsten häufig verhängnisvolle Anfangsphase problemlos überstanden wurde. Auch wenn beispielsweise ein Florian Kringe viele vermeidbare Ballverluste zu verzeichnen hatte, so lief die Dortmunder Spielaufbau-Maschine deutlich geschmeidiger als noch vor wenigen Wochen. Angriffe über viele Stationen waren keine Utopie, auch weil Laufbereitschaft und das massive Fünfer-Mittelfeld dank zahlreicher Anspielstationen flüssige und fehlerfreie Kombinationen ermöglichten. Leidträger waren allerdings die Sturmspitze Frei und die hängende Spitze Petric, die beide nicht optimal ins Spiel eingebunden wurden.

Thomas Dolls Wut-Rede unter der Woche kam viel Aufmerksamkeit zu, vielleicht mehr als diesem Bundesligaspiel zwischen zwei Mittelfeld-Mannschaften, für die die entscheidende Saisonphase gar nicht mehr so entscheidend ist. Es wurde die sehr künstliche Frage konstruiert, welchen Einfluss diese Rede auf die Dortmunder Spieler hatte, und die Antwort ist, dass die Auswirkungen nur minimal spürbar waren. Dennoch sprach Thomas Doll davon, dass seine Mannschaft eine „Reaktion“ gezeigt habe – ein Indiz dafür, dass in der teilweise durchaus nachvollziehbaren Medien-Schelte mehr Kalkül steckte als zunächst angenommen. Vor allem darf die Ansprache als Versuch Dolls gewertet werden, als Trainer-Persönlichkeit etwas Profil zu gewinnen und sein aalglattes Kumpel-Image eines unverfänglichen Phrasendreschers, das ihm immer noch beharrlich anhaftet, abzustreifen. Das konstruktive, aber biedere 1:1 deutet darauf hin, dass den Spielern die Aufsehen erregende Meinungsäußerung ihres Coachs weitestgehend gleichgültig war. Ein Blick auf die Tabelle nach dem fast vollendeten 30. Spieltag zeigt, dass dieses Unentschieden – was auch zu erwarten war – allerhöchstens einen psychischen, aber keinen tabellarischen Schub bedeutet.

Nun folgen zwei Heimspiele gegen Nürnberg (Wo mit Spannung die Rückkehr von Jan Koller an seine alte Wirkungsstätte erwartet wird) und Stuttgart – beides Gegner, für die es im Saisonfinale noch um etwas geht. Hier könnte sich der BVB beweisen und mit vier bis sechs Punkten aus den beiden Heimspielen noch einen versöhnlichen Schlusspunkt setzten sowie wenigstens Platz 11 in Angriff nehmen. Dann hätte Thomas Doll nicht nur die gewünschte Ruhe, die eigentlich schon mit diesem 1:1 vom Freitag einkehren sollte, sondern auch gute Chancen auf einen Verbleib bei Borussia Dortmund – aber nur dann.

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