Samstag, 3. Mai 2008
Still-Stand
Borussia Dortmund - 1. FC Nürnberg 0:0

0:0 - ein leistungsgerechtes Ergebnis, das den Spielverlauf präzise abbildet, da sich keine der beiden Mannschaften den Sieg verdiente und unter dem Strich ein erschreckend schwaches Bundesligaspiel zu Buche steht. Eigentlich könnte man den Spielbericht zu dieser Partie per Copy & Paste Verfahren zusammenstellen, denn dem Beobachter werden mit jedem weiteren Spieltag aufs Neue die seit der Hinrunde sichtbaren Mängel qualvoll vor Augen geführt. Genauso qualvoll ist der Umstand, dass es Trainer Thomas Doll offensichtlich nicht gelungen ist, diese seit Anbeginn der Hinrunde derartig virulenten Schwächen im Verlaufe unzähliger Trainingseinheiten zu verringern. Niemand erwartet von dem Dortmunder Kader die in Vollendung zelebrierte Raumdeckung von Manchester United oder deren technisch perfektionierten One-Touch-Football. Doch wenn die beiden jeweils aufgestellten Dortmunder Innenverteidiger hilflos versuchen, den Spielaufbau zu eröffnen, münden diese Bemühungen seit Spieltag 1 in verschwendete Quer- oder Rückpässe. Wenn der jeweilige Gegner auswärts auf Sicherheit bedacht ist, finden die Dortmunder Spieler seit jeher kein Mittel, zu hause gegen eine gut organisierte Mannschaft das Spiel selbst zu gestalten. Einzig die Reduktion der eklatanten Abwehrschwäche in den vergangenen Spielen ist den BVB-Verantwortlichen zugute zuhalten, wobei auch diese These nur unter Vorbehalt aufzustellen ist, da nicht zuletzt das biedere Offensivspiel der letzten beiden Gegner Frankfurt und Nürnberg die Defensivarbeit erheblich erleichterte. Dafür wurde allerdings der hohe Preis bezahlt, dass die Offensive sich noch schwerer tut und noch weniger spritzig zu Werke geht - selbst ein Mladen Petric wirkt in den letzten Spielen zunehmend wie ein transplantiertes Organ, das von seinem neuen Körper abgestoßen wird.

Die eigenen Fans, die das DFB-Pokalfinale noch zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden ließen, werden durch das Heimspiel-Doppelpack mit den Spielen gegen Nürnberg und Stuttgart wohl endgültig vergrault. Denn wie auch in den vorigen Spielen kann sich Dortmund nicht entscheiden, ob es wirklich auf Sieg oder nicht doch lieber nur auf Unentschieden spielen soll - und das gegen schlagbare Gegner, unterstützt von einem zahlreichen Heimpublikum. Gegen Mannschaften wie Nürnberg oder Hannover, gegen die zuhause bei gehobenen Ansprüchen jeweils drei Punkte eingeplant sein müssten, zeigt sich die Borussia unentschlossen und statt dem Willen zum Sieg höchstens das Ziel, eine Niederlage zu vermeiden. Das ist zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig. Und vor allem zu wenig, um aus dem tristen Mittelmaß der zweistelligen Tabellenplätze herauszufinden. Dies ist nun gegen Ende einer verkorksten Saison ohnehin nicht mehr möglich, aber selbst zur Schadensbegrenzung und damit einer leichten Verbesserung des Tabellenplatzen auf Platz 11 scheint die Mannschaft nicht willens.

Ohne die Vergangenheit nostalgisch verklären zu wollen, fehlen dem BVB Spieler wie Jan Koller, der mit Nürnberg an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte und sich zum Unmut des Nürnberger Anhangs minutenlang von den Dortmunder Fans feiern ließ. Potenzial zum Führungsspieler haben allenfalls der dauerverletzte Sebastian Kehl oder der bissige, aber glücklose Alex Frei. Immerhin stimmt Blaszczykowskis zweiter überzeugender Auftritt in Folge positiv; der Pole, der in der Hinrunde den gehobenen Erwartungen in keiner Weiser entsprechen konnte, profitierte mental von dem Schub seines ersten Bundesliga-Tores letzte Woche und war auffälligster, wenn auch wegen zahlreicher egoistischer Einzelaktionen nicht effizientester Akteur mit schwarz-gelbem Dress auf dem Platz. Er deutete erstmalig seine Funktion als temporeicher und dribbelstarker "Aufreißer" auf der rechten Seite an.

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Samstag, 26. April 2008
Die Beruhigungspille
Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 1:1

Ein durch und durch deutsches Spiel: Diplomatisch, bisweilen bürokratisch, diszipliniert und mit einem Schuss wohldosierter Unterhaltsamkeit. Besonders aus Dortmunder Sicht ist das allerdings kein Anlass zur Kritik: Nach langen Wochen unsortierter "Spielgestaltung" und nachlässiger Abwehrarbeit ist die beamtische Ruhe, die gestern in der Commerzbank-Arena streckenweise einkehrte, durchaus als positives Signal zu werten in Richtung strukturierter Spielweise und konzentrietem Abwehrverhalten. Die im bisherigen Saisonverlauf nicht ganz grundlos als Opa-Abwehr verspottete Innenverteidigung Kovac/Wörns machte nach dem DFB-Pokalfinale das zweite souveräne Spiel infolge; selbst das Fehlen des Abräumers Kehl konnte durch einen bemerkenswert starken Auftritt des Ergänzungsspielers Marc-Andre Kruska ausgeglichen werden. Speziell die erste Halbzeit mag für den neutralen Zuschauer ereignisarm und unspannend gewesen sein - für den Beobachter mit der schwarz-gelben Brille war es allerdings ein wohltuend durchorganisierter und Nerven schonender Auftritt, bei dem selbst die ansonsten häufig verhängnisvolle Anfangsphase problemlos überstanden wurde. Auch wenn beispielsweise ein Florian Kringe viele vermeidbare Ballverluste zu verzeichnen hatte, so lief die Dortmunder Spielaufbau-Maschine deutlich geschmeidiger als noch vor wenigen Wochen. Angriffe über viele Stationen waren keine Utopie, auch weil Laufbereitschaft und das massive Fünfer-Mittelfeld dank zahlreicher Anspielstationen flüssige und fehlerfreie Kombinationen ermöglichten. Leidträger waren allerdings die Sturmspitze Frei und die hängende Spitze Petric, die beide nicht optimal ins Spiel eingebunden wurden.

Thomas Dolls Wut-Rede unter der Woche kam viel Aufmerksamkeit zu, vielleicht mehr als diesem Bundesligaspiel zwischen zwei Mittelfeld-Mannschaften, für die die entscheidende Saisonphase gar nicht mehr so entscheidend ist. Es wurde die sehr künstliche Frage konstruiert, welchen Einfluss diese Rede auf die Dortmunder Spieler hatte, und die Antwort ist, dass die Auswirkungen nur minimal spürbar waren. Dennoch sprach Thomas Doll davon, dass seine Mannschaft eine „Reaktion“ gezeigt habe – ein Indiz dafür, dass in der teilweise durchaus nachvollziehbaren Medien-Schelte mehr Kalkül steckte als zunächst angenommen. Vor allem darf die Ansprache als Versuch Dolls gewertet werden, als Trainer-Persönlichkeit etwas Profil zu gewinnen und sein aalglattes Kumpel-Image eines unverfänglichen Phrasendreschers, das ihm immer noch beharrlich anhaftet, abzustreifen. Das konstruktive, aber biedere 1:1 deutet darauf hin, dass den Spielern die Aufsehen erregende Meinungsäußerung ihres Coachs weitestgehend gleichgültig war. Ein Blick auf die Tabelle nach dem fast vollendeten 30. Spieltag zeigt, dass dieses Unentschieden – was auch zu erwarten war – allerhöchstens einen psychischen, aber keinen tabellarischen Schub bedeutet.

Nun folgen zwei Heimspiele gegen Nürnberg (Wo mit Spannung die Rückkehr von Jan Koller an seine alte Wirkungsstätte erwartet wird) und Stuttgart – beides Gegner, für die es im Saisonfinale noch um etwas geht. Hier könnte sich der BVB beweisen und mit vier bis sechs Punkten aus den beiden Heimspielen noch einen versöhnlichen Schlusspunkt setzten sowie wenigstens Platz 11 in Angriff nehmen. Dann hätte Thomas Doll nicht nur die gewünschte Ruhe, die eigentlich schon mit diesem 1:1 vom Freitag einkehren sollte, sondern auch gute Chancen auf einen Verbleib bei Borussia Dortmund – aber nur dann.

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Sonntag, 20. April 2008
Eine sympathische Niederlage
Borussia Dortmund - FC Bayern München 1:2 n.V.

Es war ein würdiges Pokalfinale, das mit dem FC Bayern überdies den richtigen Sieger hatte. Dennoch hat auch Borussia Dortmund endlich wieder angedeutet, zu welchen Leistungen sie eigentlich imstande sind und wie sehr die Spiele der vergangenen Wochen unter dem Normalniveau lagen. Dies wiederum weist allerdings darauf hin, das beim BVB derzeit unverhältnismäßig viel Potenzial ungenutzt brach liegt und nur auf Freisetzung wartet. Berlin ist aber auch ein weiterer Beleg dafür, wie begeisterungsfähig das Dortmunder Publikum ist und wie sehr es eine leistungsbereite und willensstarke Spitzenmannschaft verdient hat. Doch dass die Begegnung überhaupt zu einem spannenden und vorzeigbaren Finale wurde, ist vor allem der Nachlässigkeit der Bayern zu verdanken, die aus der omnipräsenten Anfangsnervosität der Dortmunder nicht angemessen Kapital schlugen. Nur der Umstand, dass der BVB die ersten dreißig Minuten mit einem schmeichelhaften 0:1-Rückstand überstehen konnte, machte erst den darauf folgenden Kraftakt möglich, welcher mit dem verdienten Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit einherging. Nach der erneuten Führung durch Luca Toni, dem Gerd Müller der Postmoderne, hatte Dortmund, das aus dem Nichts vom Gegentor überrascht wurde und in der Verlängerung zunächst an der Sensation zu schnuppern schien, nichts mehr entgegenzusetzen. Trotzdem gab es einige Gewinner auf Seiten der Schwarz-Gelben: Marc Ziegler, der endlich wieder an seine guten Pokal-Vorstellungen anknüpfen konnte; Wörns und Kovac, die eine erstaunlich sichere Innenverteidigung bildeten und nun über einen längeren Zeitraum die Chance zur Bewährung erhalten sollten; Florian Kringe, der mit Durchsetzungskraft und Engagement Inbegriff eines neuen Dortmunder Kampfgeistes wurde.

Vielleicht kann dieses Pokalfinale tatsächlich eine Initialzündung für einen versöhnlichen Bundesliga-Abschluss sein - die Chance dazu sollte man der Mannschaft jedenfalls nicht nehmen, auch wenn vieles gegen eine positive Serie spricht. Zu oft folgten auf gute Ansätze schwache Spiele, zu selten konnte nach guten Leistungen die Spannung bis zum nächsten Spiel aufrecht erhalten werden. Mit dem Erreichen des Uefa-Cups hat die Mannschaft den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht - ohne sich in den letzten Jahren in der Bundesliga dauerhaft bewiesen und für einen solchen Wettbewerb empfohlen zu haben. Doch der Uefa-Cup kann auch eine einmalige Chance sein, der Mannschaft die Augen zu öffnen, was alles machbar ist.

Ob Thomas Doll zu diesem Zeitpunkt noch auf Pressekonferenzen seine Floskeln zum Besten geben darf, ist ungewiss. Eine solche Chance zur internationalen Bewährung optimal auszunutzen - dazu gehört eben auch, einen Trainer zu haben, der diesen Anforderungen gewachsen ist. Wer die teils berauschenden Auftritte in der Hinrunde gegen Bremen (3:0) und Bielefeld (6:1) nebst deprimierenden Leistungen gegen Duisburg (1:3) und Nürnberg (0:2) nachvollzogen hat und mit dem Abschneiden des BVBs in der Rückrunde vergleicht, kommt schnell zur Feststellung, dass keine positive Entwicklung stattgefunden hat. Im Gegenteil: Ebendiese positiven Ausreißer wie gegen Bremen und Bielefeld in der Hinserie sind noch seltener geworden und wurden durch uninspirierte, lieblose Auftritte ersetzt. Gelingt es Doll nicht, wenigstens in den verbleibenden Bundesliga-Spielen eine tabellarisch wie spielerisch positive Entwicklung herbeizuführen, disqualifiziert er sich für die kommenden Aufgaben. Denn die Schwächen wie Abwehrverhalten, Spielaufbau und mangelnde Konstanz sind in all den Monaten dieselben geblieben. Dass Doll allerdings - wie gestern im Vorfeld des Endspiels geschehen - öffentlich durch die Verbreitung von Gerüchten so demontiert wird, hat auch ein wenig erfolgreicher Trainer nicht verdient. Aus internen Kreisen wurde die Absicht lanciert, Jürgen Klopp für die nächste Saison als Trainer verpflichten zu wollen - wenige Stunden vor dem vermutlich wichtigsten Saisonspiel.

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