Samstag, 29. März 2008
Die 3:3 Wundertüte
VfL Bochum - Borussia Dortmund 3:3

"10 Minuten" - normalerweise werden diese beiden Worte vom Bildungsbürger mit der legendären Transrapid-Rede des ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber assoziiert, doch beim heutigen Revierderby zwischen Bochum und Dortmund waren die ersten 10 Minuten des Spiels Spiegel aller Abwehrprobleme der Borussia, die in dieser Saison je aufgetreten und so kennzeichnend für die Spielzeit 2007/2008 sind. Der Rest der Partie war vor allem charakteristisch für den bisherigen Dortmunder Rückrunden-Fußball: Spritzig und torgefährlich im Offensivspiel, einsatzfreudig und entschlossen (auch dank Antreiber Kehl) nach einem Rückstand, aber schließlich wird es doch ein Unentschieden, da man mit eigenem Unvermögen und mangelnder Courage einen Sieg verhindert. In der zweiten Hälfte dominierte die Angst vor dem Gewinnen - bloß nicht die eigene Aufholjagd mit einem Siegtor krönen, lieber die diplomatische Variante eines unverbindlichen Remis.

Ganz anders dagegen die Anfangsphase der Partie, in der ein unsicherer Keeper hinter einer noch unsichereren Abwehr agierte und man gemeinsam winselnd vor der gegnerischen Offensive niederkniete und um Gnade flehte. Die omnipräsente Anfangsnervosität wuchs mit fortschreitender Spielzeit zu einem panikähnlichen Zustand heran; besonders Kapitän Christian Wörns wirkte in seinem oft vergeblichen Bemühen, eine ungefährliche Ballannahme durchzuführen oder einen fünf Meter langen Querpass zu spielen wie ein schlecht vorbereiteter Abitur-Prüfling vor dem mündlichen Examen. Dabei müsste sich der Routinier, der mit der Borussia durch Meistersaisons und Abstiegskämpfe ging, doch mittlerweile eigentlich eine gewisse Abgeklärtheit erspielt haben. Neben ihm stand ein wenig souveräner Newcomer (diesmal Hummels, nicht Amedick), der sein weites Potenzial durchaus andeuten konnte, aber noch kein verlässlicher Partner ist. Auch im zweiten Revierderby der Rückrunde mit BVB-Beteiligung muss Dortmund also drei Gegentore hinnehmen (Nach der 2:3 Heimniederlage gegen Schalke) und zum zweiten Mal ist der Anteil der gesamten Dortmunder Hintermannschaft dabei nicht zu unterschätzen.

Alle Fünf Innenverteidiger der Borussia haben mittlerweile ihre Chance erhalten, keiner konnte die Rolle so ausfüllen, dass er mittelfristig als Abwehrchef infrage käme - der Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt im Sommer ist virulenter denn je. Meinen Wunsch für das heutige, bei frühlingshaftem Sonnenschein ausgetragene Spiel muss ich allerdings revidieren: Ich hatte auf einen Sieg gepocht, und äußerte, dass es mir egal wäre, wie er zustande käme. Aber ich muss gestehen, dass mir das 3:3 in seiner ganzen Unterhaltsamkeit doch deutlich lieber war als ein dreckiges, hanseatisches 1:0 - aber dazu ist der BVB ohnehin nicht imstande.

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Freitag, 28. März 2008
Von der Unmöglichkeit eines Last-Minute-Sieges
Borussia Dortmund - Karlsruher SC 1:1

Borussia Dortmund gewinnt 2:1 gegen den Karlsruher SC durch ein Tor von Innenverteidiger Christian Wörns in der Nachspielzeit. Hö? Geht doch gar nicht. Hat ja auch nicht gestimmt. Wäre ja auch zu schön gewesen. Ein spätes Last-Minute-Tor, von den Borussen mit unbändiger Kampfeskraft, trotziger Willenstärke und entschlossener Brechstangen-Taktik erzwungen - nichts würde weniger zu dem aktuellen BVB-Team passen. Es war ja auch nur ein surrealer Traum, aus dem die Anhänger durch die regelkonforme Schiedsrichter-Entscheidung schneller herausgerissen wurden, als ihnen lieb war. Das Tor wurde zu Recht abgepfiffen und zählte nicht. Wie gern hätte man als Fan der Schwarz-Gelben mal erlebt, wie ein Drei-Punkte-Endorphinstoß die Anspannung einer turbulenten Schlussphase löst, die Mannschaft alles auf eine Karte setzt und dafür mit dem Hauptgewinn belohnt wird.

Schade, dass es nicht geklappt hat - Christian Wörns, für mich leider irgendwie Symbol der Dortmunder Abwehrschwäche und hauptamtlicher Sündenbock, setzte schon zu einem soldatischen Torjubel-Gruß an, den man ihm sicher gegönnt hätte. Denn man muss ihm lassen, dass er der einzige Dortmunder Abwehrspieler mit eingebauter Torgefahr ist - was leider nicht nur für den gegnerischen, sondern auch für den eigenen Strafraum gilt. Trotz oder gerade wegen der vergebenen Schlussoffensive kann man gegenüber der Borussia keinerlei Einstellungs-Vorwurf geltend machen - das war ja nicht immer so, hat sich aber spätestens seit der Rückrunde mit dem Comeback des Antreibers Kehl weitestgehend gelegt. Ein Vorbild an Engagement ist auch Laufwunder Rukavina, dem allerdings auch der ein oder andere haarsträubende Ballverlust unterläuft. Wird der launische Degen im Sommer verkauft, ist die rechte Seite prompt wieder so unterbesetzt wie vor Rukavinas Eintreffen. Hans-Joachim Watzke kündigte ohnehin via Bild an, sich mit den Pokal-Millionen um den ein oder anderen Kracher bemühen zu wollen. Allerdings werden immer wieder potentielle Mittelfeld-Neuverpflichtungen in den Raum gestellt; doch die Baustellen bleiben in der Abwehr, wo zwar eine Fülle von Innenverteidigern zur Verfügung steht, aber keiner höhere Weihen rechtfertigt und in der Linksverteidigerposition ein Backup für Dede fehlt.

Am Samstag gegen Bochum muss es endlich mal wieder mit einem "Dreier" klappen - Hilft ja alles nichts. Die spielerisch hoffnungsvoll stimmenden und kämpferisch respektablen Leistungen der letzten Wochen können nicht über die mangelhafte Effizienz in der Punkteausbeute hinwegtrösten. Die Fähigkeit, eine Begegnung konstant ohne Schwächephase durchzuspielen, fehlt dem BVB - dafür hat Dortmund es perfektioniert, schwächeren Teams den roten Teppich auszurollen und sie zu Punktgewinnen einzuladen. Es müssen drei Punkte sein - der Rest ist egal. Zur Not langt ein unspektakuläres 2:1 wie im Hinspiel.

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Eintrag Nr.1
Herzlich Willkommen auf diesem neuen Blog, das sich im Moment viel sagend "Kontrastmittel" nennt - denn ein Kontrastmittel ist dazu da, vorhandene Unterschiede sichtbar zu machen. Wohl wissend, dass dieses Tagebuch (zunächst) nur einen weiteren Tropfen im unendlichen Blog-Meer darstellt, möchte ich von heute an - wie regelmäßig, wird sich zeigen - meine Gedanken an dieser Stelle schriftlich fixieren. Diese Gedanken werden sich wohl primär um folgende Teilgebiete drehen: Zum einen Kommentare zum aktuellen Bundesliga-Geschehen. Und zwar aus Schwarz-Gelber Sicht. Dann noch eine leichte Prise Tennis dazu. Des Weiteren werde ich wohl auch meinen anderen Interessen frönen, dem Rezensieren oder Bewerten von allen möglichen Medienerzeugnissen, z.B. Musik (Vorzugsweise deutscher Hip Hop, aber auch ganz normaler Pop), Literatur (Wird seltener konsumiert, dafür aber an für sich alle Genres) oder Computerspiele (Fokus wird auf Sportspielen liegen). Ferner bin ich auch ein starker Zeitschriften-Konsument - eventuell wird auch das auf die Inhalte meiner Einträge Einfluss nehmen. Mir kommt diese leicht zusammenhangslose Kombination selbst etwas seltsam vor; nicht zuletzt weil es mein erster Blog ist, werde ich noch ausloten müssen, ob es nicht vielleicht besser ist, sich auf einen Aspekt zu konzentrieren, oder ob diese Vielfalt gerade den Reiz ausmacht. Schwer vorstellbar allerdings, dass die potenziellen Leser alle gleichermaßen in Fußball wie in Deutsch-Rap interessiert sind. Wir werden sehen. Ich freue mich über jeden Leser, über jeden kritischen wie lobenden Kommentar, habe aber keine erhöhten Erwartungen an die Besucherzahlen dieses Blogs. Mir reicht mein Anliegen, eigene Gedanken möglichst nachvollziehbar und genau auf den Punkt zu bringen - darin liegt für mich die Kunst des Schreibens: Das, was irgendwo verschwommen im Hirn lagert, herauszuschälen und zu einem verständlichen, aber nicht vereinfachenden Satz zu verdichten. Das ist eine Idealvorstellung, der man nur nahe kommen, die man aber nicht vollständig erreichen kann.

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